AUS DEM EIGENEN ARCHIV — 3 POSITIONEN

Galerie der Künstler

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Galerie der Künstler
Samstag, 13. Oktober, 11 – 18 Uhr
Sonntag, 14. Oktober, 11 – 15 Uhr

Meet the Artist:
Freitag, 12. Oktober 2018, 14 – 15 Uhr: Micha Purucker
Samstag, 13. Oktober 2018, 14 – 15 Uhr: Christina Ruf
Sonntag, 14. Oktober 2018, 13 – 14 Uhr: Cornelie Müller

Eintritt frei.

Schon in seinen letzten beiden Editionen hat sich RODEO mit der Vergegenwärtigung und Bewahrung der Geschichte der Freien Theater- und Tanzszene Münchens befasst. Etwa zur gleichen Zeit startete ausgehend vom Impulse Theater Festival eine nationale Initiative zur Gründung eines Archivs des Freien Theaters. Hintergrund war in beiden Fällen die Erkenntnis, dass die Geschichte der Freien Szene sowohl national als auch lokal eine Geschichte ohne Zugang ist. Eine Geschichte, die aufgrund ihrer nicht öffentlich verfügbaren Quellen das generelle Problem der Darstellbarkeit ephemerer Kunstformen noch übersteigt. An diesem Punkt möchte RODEO 2018 ansetzen und sich als Forschungslabor für neue und andere Formen der Ausstellung performativer Kunst zur Verfügung stellen. Der Fokus liegt dabei darauf, Künstlerinnen und Künstlern die Deutungshoheit über ihre eigene Geschichte und deren Darstellung zu erhalten.

Für RODEO 2018 wurden drei Künstler, Cornelie Müller, Micha Purucker, Christina Ruf, gebeten, ihre Archive zu öffnen und Präsentationsformate zur Darstellung ihrer Arbeit zu entwickeln. Angesprochen wurden somit Künstlerinnen und Künstler der Freien Szene aus drei Generationen und mit höchst unterschiedlichen OEuvres, die bereits auf eine längere Produktionshistorie zurückblicken und sich schon in eigenen Formaten interessiert an den Themen Archiv, Aufarbeitung der Geschichte der Freien Szene und performative Präsentationsformate gezeigt haben.

So befasst sich die Theaterfrau Cornelie Müller mit dem raumbildnerischen, skulpturalen Charakter ihrer Werke, der wesentlich ihre Arbeiten prägt. Selten finden die Projekte der Künstlerin auf traditionellen Bühnen statt. So sind es Objekte, die den Raum strukturieren, Publikum und Performer lenken. Oftmals gleichen die Arbeiten Mosaiken, deren Elemente – Musik, Sprache, Bild, Szenen – multipel anzuordnen und anzusehen sind und in mehreren Versionen als Performance und (Klang-)Installation/Ausstellung existieren. In der Galerie der Künstler präsentiert Cornelie Müller Elemente aus drei Arbeiten, entstanden zwischen 1997 und 2009. Dabei changiert auch im Ausstellungskontext die Betrachtungsmöglichkeit zwischen Installation – teilweise kinetischer Natur –, klanginstallativer Version des Theaterereignisses und bespielter Szene.

Für den Choreografen Micha Purucker ergibt sich der innere Zusammenhang einer Werkbiografie, gerade bei der Flüchtigkeit performativer Arbeiten, erst in der Zusammenschau. Der Ausstellungskontext ermöglicht es ihm, Ungleichzeitiges in unterschiedlichen Medien zu etwas Gleichzeitigem an einem Ort zusammenzuführen. So werden Dokumente, Filme, Bilder, Skizzen und Artefakte in Installationen angeordnet und bilden Linien, die aus verschiedenen Richtungen kommend, auf eine umfassende Themen- und Werkgeschichte verweisen. Für RODEO 2018 hat sich der Künstler beispielhaft auf zwei Aspekte seines OEuvre konzentriert: Materialien zu Körperverständnis und Körperbild in Konfrontation mit Videodokumenten sowie Exempel zu choreografi scher Formfindung entlang gefundener Texturen und Atmosphären.

Für Christina Ruf erzeugt jedes Projekt jeweils eine andere aussagekräftige Hinterlassenschaft (Recherchematerial, Raum, Text, Geräusche) und widersteht damit einer standardisierten Archivierung und Präsentation. Den Zugang zu ihrem OEuvre sieht die Künstlerin in Begriffen, Ideen, Fragestellungen und Forderungen, die sich durch ihre Arbeiten ziehen. So wird sie für RODEO 2018 einen Glossar – ein realprodukt-ABC erarbeiten –, das vom Publikum genutzt werden kann und auf mehrere Weisen zugänglich gemacht wird. Hinter den Begriffen liegen mal Klänge, mal ein performativer Akt, mal ein Foto, Video oder Text, mal wird der Besucher aufgefordert, selbst aktiv zu werden.

Zur Eröffnung der Ausstellung Gespräch mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.
Moderation: Dr. Henning Fülle (freier Dramaturg, Publizist und Wissenschaftler)

Konzepte, Realisation: Cornelie Müller, Micha Purucker, Christina Ruf / Idee: Sarah Israel, Simone Lutz / Leitung, Organisation: Simone Lutz

In Kooperation mit der Galerie der Künstler des Berufsverbands Bildender Künstler München und Oberbayern e.V. Die Ausstellung ist Teil des Münchner Projekts „Lebendiges Archiv“.